Warum mich die Mein Schiff 1 überzeugt hat

| 22. Dezember 2011 | 3 Kommentare
Das ist Teil 6 von 6 der Serie Mein Schiff 1 - Kanaren - 12/2011

Nun sind seit meiner Reise auf der Mein Schiff 1 schon ein paar Tage vergangen – Zeit also, eine Bilanz zu ziehen. Das Fazit vorweg: Auf dem sogenannten Wohlfühlschiff von TUI Cruises hat es mir ausgesprochen gut gefallen. Hätte ich die Wahl zwischen Aida und Mein Schiff, würde ich wohl beim nächsten Mal wieder eines der beiden dunkelblauen Schiffe wählen. Was nun nicht bedeutet, dass bei TUI Cruises alles besser ist. Es ist nunmal für jeden eine individuelle Entscheidung, welches Schiff für ihn geeignet ist, daher gibt es da kein pauschales Gut oder Schlecht.

Seit 2009 unterwegs für TUI Cruises: Die Mein Schiff 1. Foto: Toaldo

Kabine
Unsere Innenkabine 4182 war denkbar ungünstig gelegen – auf dem untersten Passagierdeck, relativ weit am Heck. So ganz ruhig ist es da nicht, man hört schon die Maschine recht deutlich. Während der Fahrt habe ich 45 Dezibel gemessen – das entspricht „üblichen Geräuschen in einer Wohnung“. Etwas lauter ist es allerdings beim Anlegen. Alessandro, mit dem ich unterwegs war, ist davon regelmäßig aufgewacht. Ich benutze auf Schiffen immer Lärm-Stop, so dass mir die Geräusche nichts ausmachen. Die Klimaanlage war vergleichsweise ruhig – auch habe ich auf dem Bett keinen unangenehmen Luftzug verspürt. Am Bad gibt es wenig auszusetzen – lediglich die halbe Trennwand an der Dusche ist, wie berichtet, eine Fehlkonstruktion. Hier hat die TUI Cruises aber bei der Mein Schiff 2 gelernt. Toll ist die Nespresso-Maschine! Pro Tag gibt es eine Kapsel „Vivalto lungo“ pro Person, jede weitere kostet einen Euro.

Mehr zur Kabine auch im Video.

Leckerer Lunch: Spargel mit Roastbeef umwickelt als Vorspeise im Atlantik-Restaurant. Foto: Toaldo

Essen
Ich habe nochmal Glück gehabt: Nur 700 Gramm habe ich zugenommen während der einwöchigen Kanaren-Kreuzfahrt. Das liegt natürlich in erster Linie am Essen. Und das hat mich wirklich überzeugt! Das Atlantik-Restaurant ist ganz hervorragend. Nicht nur am Abend, sondern auch schon mittags, kann ich mir ein Fünf-Gänge-Menü zusammenstellen. Während ich bei internationalen Reedereien, wie Celebrity Cruises oder Costa, festgestellt habe, ist das Mittagsangebot im Vergleich zum Dinner am Abend eher bescheiden. Das habe ich auf der Mein Schiff 1 nicht bemerkt. Mittags waren während unserer Reise allerdings immer vergleichsweise wenige im Atlantik-Restaurant. Verstehen kann ich das nicht.

Die Auswahl der Speisen war sehr gut – schon dem deutschen Geschmack angepasst, ohne dabei langweilig zu sein. Ich habe perfekt gebratenen Fisch gegessen, die Salate waren super. Alles schön klein geschnitten – so, wie es sein soll. Rinderfilet ist aufgrund des hohen Einkaufspreises immer gut geeignet um mit anderen Reedereien zu vergleichen. Das gab es im Atlantik-Restaurant nur in dünnen Scheiben – wie bei Royal Caribbean auch beispielsweise. Da ist es bei Celebrity Cruises schon anders – dort bekommt man ein ganzes Stück Rinderfilet. Aber ich will mich nicht in Details verlieren, bevor Ihr denkt, dass ich einen Knall habe, dass mir solche Details auffallen… Auch gefrühstück haben wir im Atlantik-Restaurant mehrfach – auch mal mit Bedienung in der oberen Etage (backbord).

Das Buffetrestaurant Anckelmannsplatz ist von der Gestaltung her nicht so sehr gelungen. Auch finde ich die Auswahl an Speisen beim Dinner etwas dürftig. Auch das Getränkeangebot ist vergleichsweise bescheiden. Sehr lecker hingegen ist das Eis von Bruno Gelato, das es im Übrigen auch den ganzen Tag über auf dem Pooldeck gibt. Das schmeckt wie in der Eisdiele.

Hervorragend war das Gosch-Fischrestaurant. Hier habe ich zwei Mal einen exzellenten gemischten Fischteller gegessen – und leckeren Salat mit Krabben. Einmal hatten wir einen Tisch reserviert, beim zweiten Mal war es kein Problem spontan noch einen Platz an den langen Tischen mit Bank zu bekommen.

Der Cliff 24 Grill hat offiziell rund um die Uhr geöffnet, tatsächlich schließt er aber um 4 Uhr morgens erstmal, wie uns erzählt wurde. Hier gibt es Snacks. Leckere Wraps, frisch belegte Paninis, halbe Hähnchen, Bratwurst, Pommes frites, Salat, Steaks und noch einiges mehr. Die Bratwurst mit Currysauce war nur mittelmäßig, aber ansonsten war das eine gute Gelegenheit um etwas außerhalb der Essenszeiten zu essen.

Im Bistro La Vela haben wir nicht gegessen, andere Reisende berichteten aber von Pasta, die zu weich war.

Lecker für zwischendurch: Pralinen in der Naschbar. Foto: Morr

In der Naschbar gibt es inzwischen Kuchen und Eis nicht mehr. Dort hatte es zuletzt zu großen Andrang gegeben. In den Vitrinen warten nun Pralinen und Trüffel, die für 50 Cent pro Stück verkauft werden.

 

Getränke
Was würde ich machen, wenn ich ein Hotel oder eben ein Kreuzfahrtschiff betreiben würde, in dem die Getränke alle inklusive sind? Ich würde dieses Angebot nicht sonderlich attraktiv gestalten. Eine ganz kaufmännische Entscheidung. Warum sollte ich viele Kellner herumlaufen lassen, die dann die kostenlosen Drinks servieren? Umso überraschender ist es nun, dass TUI Cruises genau das tut. Die kostenlosen Getränke werden fast so angepriesen, als würde die Reederei damit Geld verdienen und nicht Geld verlieren. Klar, es gibt auch Drinks, für die zugezahlt werden muss – aber auch ohne Zuzahlungen kann man es sich gut gehen lassen. Was gern noch auf die Getränkekarte gehört: Aperol-Sprizz. Dieses Trendgetränk kann man bisher nur inoffiziell bestellen – je nach Barkeeper wird es dann auch immer anders zubereitet – mal mit Weißwein, mal mit Prosecco. Also, ab auf die Karte damit! Schweppes-Getränke, wie Bitter Lemon oder Tonic, werden ausnahmslos aus (im Einkauf teuren) 0,2-Liter-Flaschen ausgeschenkt. Das hätte ich nicht erwartet.

Mir immer wichtig: Ordentlicher Kaffee – genauer gesagt Espresso. Wir hatten den Eindruck, dass er in der Naschbar am Besten schmeckt. Allerdings hat uns der Espresso nicht vollends überzeugt – oft fehlte die Crema – da ist der Nespresso-Kaffee auf der Kabine besser.

Service
Die Mein Schiff 1 ist ein deutsches Schiff - und das spüren die Gäste überall. Auch das nicht-deutschsprachige Personal gibt sich Mühe und spricht mindestens ein paar Brocken Deutsch. Besonders im Atlantik-Restaurant wurden wir sehr gut bedient. Auch kamen wir öfter mit den Mitarbeitern dort ins Gespräch. Sie dürfen einen übrigens auch duzen – wenn man ihnen das Du anbietet. Wenn man im ähnlichen Alter ist – warum nicht? Einige Mitreisende sind im Umgang mit dem ausländischen Personal etwas ungelenk – das habe ich auf anderen Schiffen auch schon erlebt. Nein, es ist nicht hilfreich – wie von uns beobachtet – „einen Ramma“ zu bestellen, wenn ein Ramazotti gemeint ist. Wie soll denn der arme Kellner das verstehen? Dabei geben sie sich schon so viel Mühe mit unserer schwierigen Sprache…

Die Crew der Mein Schiff 1 verabschiedet sich im Theater. Foto: Matthias Morr

Entertainment
Schön, dass es ein Theater gibt für die Shows – ich mag ja das Theatrium-Konzept auf den neueren Aidas nicht so. Schade ist, dass es keinen Getränkeservice im Theater gibt – obwohl es entsprechende Tische vor den Sitzen gibt. TUI-Cruises-Boss Richard R. Vogel erzählte mir mal, dass es zu aufwändig gewesen wäre beim Umbau 2009 diese Tische zu entfernen. Was nun die Qualität der Shows angeht: Die Sixties-Show ist sicherlich vom Buch her eine der schlechtesten Shows, die ich je auf einem Kreuzfahrtschiff gesehen habe. Zotig und unter der Gürtellinie und nicht wirklich witzig. Da sollte man dringend nacharbeiten. Vom Gesang her ist es okay. Von der Ausstattung her sind alle Shows vergleichsweise bescheiden. Statt vieler Kulissen wird vieles nur auf einer großen LED-Wand eingeblendet – vergleichbar mit den Shows im Aida-Theatrium. Meiner Meinung nach könnten auch Anfang (auf dem Pooldeck) und Ende (im Theater) der Kreuzfahrt besser inszeniert werden. Das sind nun mal zwei wichtige Punkte einer Reise – und die müssen sitzen. Den Auftritt der Kreuzfahrtdirektorin mit gemafreier Musik von Apple einzuleiten – das ist eine Kleinigkeit – aber das geht gar nicht. Auf den Aidas ertönt da Musik aus dem „Fluch der Karibik“ – und das ist nunmal erheblich wirkungsvoller.

Animation durch die sogenannten Gastgeber gibt es wenig – Shuffleboard & Co. Aber das ist auch okay, schließlich will sich TUI Cruises deutlich von Aida abheben. Etwas beengt geht es zu, wenn eine Band in der TUI-Bar spielt – Platz zum Tanzen ist da nur wenig. Ich bin mir aber sicher, dass das im TUI-Cruises-Neubau 2014 geändert wird.

Sport
Ich hatte zwar Sportsachen dabei, aber bin dann leider doch nicht beim Sport gewesen. Das Fitnessstudio ist auf der Mein Schiff 1 ja nun relativ klein. Daher war es an Seetagen dort brechend voll. Auf der Mein Schiff 2 ist es ja nun schon größer – und ich denke hier dürfen wir auch auf das dritte Schiff von TUI Cruises gespannt sein.

Wer nun gern joggt: Das geht auf Deck 12 nur morgens und frühen Abend – aber mein Ding ist so ein 360 Meter Rundkurs sowieso nicht.

Fazit
Ja, ich würd‘ es immer wieder tun! Mich hat die Mein Schiff 1 überzeugt. Natürlich gibt es immer auch Kritikpunke – sonst hätte ich ja gar nichts zu tun… Für den deutschen Markt ist TUI Cruises eine wirkliche Bereicherung. Die Kinderkrankheiten aus den ersten Monaten im ersten Jahr wurden weitgehend beseitigt. Natürlich ist die Mein Schiff 1 bereits 15 Jahre alt – genauso wie die Aida Cara beispielsweise. Aber das ist nun für mich kein Kriterium, ein Schiff zu wählen oder nicht. Natürlich sieht man Ihr Alter hier und da – aber da hat TUI Cruises schon das Beste aus dem verfügbaren Schiff gemacht.

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Kategorie: Mein Schiff 1 - Kanaren - 12/2011, Reise-Logbuch, TUI Cruises

Kommentare (3)

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  1. Thomas sagt:

    Hallo,
    die halben Trennwände werden im April 2012 (wenn die “Mein Schiff 1″ in Marseille 10 Tage ins Trockendock kommt) entfernt und durch richtige Glastüren ersetzt (vermutlich vergleichbar mit der “Mein Schiff 2″).
    Gruß Thomas

  2. Stefan sagt:

    Ein wirklich toller und aus meiner Sicht auch objektiver Reisebericht. Wir haben die MS1 im Sommer 2009 und 2011 genau so wie geschildert erlebt. Ehrlichweise wäre noch hinzuzufügen, dass es im Sommer 2009 noch an einigen Stellen ein wenig geklemmt hat. Das sei aber entschuldigt, wenn sich erst die Crew aber auch das Management auf die tatsachliche Situation an Bord einstellen müssen. Im Sommer 2011 lief dann alles deutlich runder und es gab wirklich nahezu nichts zu meckern. Alles in allem würde ich TUI Cruises einen Tick vor AIDA sehen. Beide haben ihre Vor- und Nachteile.

  3. Andy84 sagt:

    Bei La Vela lässt es sich gut essen. Die Speisen werden frisch zubereitet und sind lecker. DIe Piza hat einen schön knackigen Boden und die Spaghetti sind von der Härte vollkommen in Ordnung. Allerdings gab es an einem Tag hausgemachte Spaghettis…die waren eine Wucht!!

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