(aus dem kostenlosen Morrletter vom 16.8.2020)

Der deutsche Kreuzfahrtmarkt ist eigentlich klar verteilt – AIDA liegt seit langem auf Platz 1 in Deutschland, TUI Cruises dahinter auf Platz 2. Das ergibt sich schon aus der Zahl der Schiffe und damit der Anzahl der Betten. Davon hat AIDA mit ihren 14 Schiffen natürlich viel mehr als TUI Cruises mit sieben Schiffen. Eigentlich sollte es daher unmöglich sein, dass die Nummer 2 an der Nummer 1 vorbei zieht. Eigentlich – aber Corona verändert alles. 

Jetzt im dritten Quartal 2020 sieht es so aus, als könnte das Unvorstellbare geschehen. Seit mehr als drei Wochen finden wieder Reisen der Mein-Schiff-Flotte statt – erst ein Schiff, dann zwei Schiffe – und seit dieser Woche ist klar: Mitte September soll mit der Mein Schiff 6 ab Kreta ein drittes Schiff hinzukommen. 

Der Neustart hat bei AIDA hingegen bisher nicht stattgefunden. Von Anfang August auf Mitte August verschoben, kam nun am Montag die Meldung: Erst am 6. September soll es soweit sein – mit AIDAblu. Eine Woche später soll dann auch AIDAperla starten. Kein Wort mehr von AIDAmar, die eigentlich als drittes Schiff ebenfalls starten sollte – und die aktuell mit kompletter Crew durchaus bereit für Gäste wäre. 

Und wenn es jetzt genau so weiter läuft, wie geplant – dann wird TUI Cruises im dritten Quartal erstmals an AIDA vorbei ziehen, was den Marktanteil angeht. Drehen würde sich das erst wieder, wenn AIDA mit mehr Schiffen (mehr Betten) als TUI Cruises im Einsatz wäre – wobei die Betten am Ende natürlich auch verkauft werden müssen.

Offenbar hatte es TUI Cruises beim Neustart mit Malta als Flaggenstaat einfacher als AIDA, die als Teil der Costa-Gruppe unter italienischer Flagge fahren. Woran es jetzt genau liegt, dass der Neustart bei AIDA sich weiter verzögert, bleibt aber unklar. Die Kommunikation zur letzten Absage von Reisen am Montag wirkte holprig – zwar kam morgens eine Pressemitteilung, aber die Hinweise auf der eigenen Homepage wurden erst Stunden später aktualisiert. Buchbar sind die Reisen mit denen es im September losgehen soll, bis heute nicht… Und auch ansonsten ist man verstummt. Seit dem 1. August passiert auf der AIDA-Facebook-Seite fast nichts mehr. 

Hört man sich um, scheinen viele AIDA-Kunden die Chance genutzt zu haben, mal TUI Cruises zu buchen. Konnte man früher noch sagen, dass die Konzepte beider Reedereien sehr unterschiedlich sind, muss man sehen, ob AIDA im Corona-Modus seine Vorzüge gegenüber dem Mitbewerber überhaupt noch ausspielen kann. 

Kurzum: Es ist auf dem deutschen Kreuzfahrtmarkt spannend wie nie. Und eins ist auch klar: Der Vorsprung, den TUI Cruises jetzt hat, kann ganz schnell wieder verloren gehen, sollte es zu einem Corona-Ausbruch an Bord kommen. Möge uns das erspart bleiben. 

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